Unia schaut dem Nightshopping auf die Finger
Erstellt am Mai 29, 2010
Gestern fühlte man sich in der Altstadt wie bei einem verfrühten Albani-Fest. 1000ende Menschen strömten durch die Marktgasse und füllten ihre Säcke. Das Nightshopping erlaubte den Kaufwütigen und Nachtschwärmer Einkaufsvergnügen bis um 23Uhr. Beinahe alle Läden machten mit, und die Leute kamen in grossen Scharen. Den Winterthurern wurde auch einiges geboten. Von Konzerten über Gewinnspiele war alles vertreten. Die Läden wollten ihren Kunden eben etwas bieten.
Das hört sich schon wieder recht nach “der Kunde ist König” an. Darum marschierte auch die Unia auf und beobachtete die Situation. Mit einer Umfrage bei den Angestellten der Altstadtgeschäften schauten die Gewerkschaftler, wie die Bedingungen und die Motivation beim Nightshopping so sind. Die Unia-Leute teilten sich auf und besuchten die Arbeitenden.
Einige Geschäfte waren klar unterbesetzt, so dass die Angestellten keine Zeit hatten die Fragebögen auszufüllen. Allerdings hätten sie diese sehr gerne ausgefüllt. Ein kleiner Hilfeschrei? Allgemein waren die Leute sehr interessiert und fanden die Umfrage eine wichtige Sache. Es kamen neben sehr gerechten Anstellungsverhältnissen auch jene von der üblen Sorte hervor. Ein Lehrling in einem Elektro-Fachgeschäft arbeitete seit 9Uhr morgens bis eben am Abend um 23.30 Uhr. Wer rechnen kann, merkt, dass der 9-stündige Arbeitstag eines Lehrnenden längst überschritten ist. Auch die Ruhezeit wird nicht eingehalten. Am nächsten Tag muss der Arme bereits um 9 Uhr wieder auf der Schwelle stehen.
Aber auch die Geschäftsführer nervt das Nightshopping. Einige machen einfach mit, weil es die Konkurrenz auch tut.
Die Unia-Truppe wurde aber nicht überall freundlich empfangen. Sei es, weil sie irgendwie unerwünscht waren oder wegen vergangenen Aktionen, die den Geschäftsführern immer noch sauer aufstiessen. Wundern müssen sich die Unia-Leute deswegen nicht. Auch gestern waren unnötige Handlungen zu sehen. Der Aufruf zum Marsch durch ein Schuhgeschäft, das unterbesetzt war, zeugt von wenig Verständnis. Auch wenn die Angestellten in diesem Laden schlechte Bedingungen vorfinden, verärgert man den Besitzer und hilft den Angestellten wohl gar nicht. Die viel gerühmte Vernunft fehlt auch den “vernünftigen” Gewerkschaftler manchmal. Nichts desto trotz zeigten ihre Anstrengungen Resultate. Man konnte einige Menschen wachrütteln und auf ihre Rechte aufmerksam machen.
Text & Foto: Simon Banholzer

