Mogamma – der Bürokratiealbtraum aller Menschen
Erstellt am Juli 12, 2010
Nach einem Monat muss man als Tourist in Ägypten sein Visum verlängern. Das verheisst normalerweise nicht viel Gutes. Denn Ägypten ist ein absoluter Zentralstaat. Alle Einwohner Kairos werden es früher oder später mit dem Hyperbüroblock namens Mogamma zu tun bekommen. Der Mogamma wurde damals von der Sowjetunion gespendet, und das sieht man ihm auch an. Betonblock mit rotem Granit beim Eingang. Natürlich ist es verboten in diesem grässlichen Gebäude Fotos zu machen, da man alle negativen Bilder aus Ägypten verhindern möchte. Geht natürlich nicht mehr seit auch Handys fotographieren können.
Wir fragten also nach der Visa-Verlängerung und wurden zum Schalter 12 im ersten Stock geschickt. Gepäckkontrolle da und dort; wir mussten etwas suchen, da es mehrere Schalter 12 gibt. Vorbei an den längsten Warteschlangen, fanden wir bei der richtigen 12 zwei recht gelangweilte Frauen. Sie drückten uns Formulare zur Ausfüllung in die Hand und wollten „Stamps and copies of your passport“. Also fragten wir, nach einem Kopierapparat. Logisch! Er ist natürlich im Erdgeschoss. Also wieder nach unten, kopieren für zwei Pfund und wieder nach oben durch die Gepäckkontrolle. Nächste Fragen: Wofür „Stamps“ und wo bekommt man diese? Schalter 34 war die Antwort auf die letztere. Bald diese gekauft und Formulare auf dem Schoss ausgefüllt freuten wir uns auf Schalter 12. Dort gaben wir alles ab. Die Stamps klebten sie einfach auf das Formular, damit war das Visum bezahlt. Nach zwei Stunden sollten wir den Pass zurückbekommen.
Warten will hier niemand zwei Stunden lang. Also gingen wir raus in ein Café. Das Problem der Ägypter ist ganz klar, dass sie kein Computersystem haben. Alles wird von Hand bearbeitet, von Laufburschen von einem Büro ins andere verfrachtet, wo wieder ein gelangweilter Muwazzaf (Beamter) schläft, Tee trinkt oder etwas isst. Ich habe etwa gleichviel Cafeterias wie Büros gesehen! Das Wort eilig haben die noch niiiiie gehört.
Nach zwei Stunden schliesslich bekam ich meinen Pass nicht zurück. Irgendein schleimiger Typ in Anzug trug ihn gerade weg. Shokran, danke, wieso bitte?? Wer von Asterix und Obelix die Aufgabe im Irrenhaus kennt, weiss wie ich mich gefühlt habe. Denn es ist verblüffend ähnlich. Nach einem Nickerchen durfte ich den Pass dann doch noch abholen. Wie liebe ich die Einwohnerkontrolle in Winterthur!
Text & Fotos: Simon Banholzer
Kommentare (2)



[...] in diesem Artikel befinden sich auf der Rückseite des gigantischen Verwaltungsgebäudes „Mogamma“ am [...]
Ich kann das Procedere in der Buerokratie gut nachvollziehen. Ich habe acht Jahre am Roten Meer gearbeitet und gelebt. In Hurghada konnte ich das Problem der Visumsverlaengerung loesen indem ich in meinen Pass stets einen 100 Pfund Schein vergessen hatte. Nach etwa 20 Minuten hatte ich meinen Visumseintrag. Allerdings sollte man zig Kopien und Briefmarken immer bei sich haben, das spart immer Zeit