Ägyptisches Wissen – von der Bibliothek Alexandrias zur ersten Uni der Welt
Erstellt am Juli 19, 2010
Wie ich schon öfters erwähnt habe in meinen Berichten, hat so vieles seinen Ursprung in Ägypten. Am allermeisten bewundere ich das Wissen oder die Wissenschaft in diesem Land. Das Zentrum für Mathematiker wie Euklid war früher Alexandria, mit der gewaltigsten Bibliothek der Antike. Unmengen von Schriftrollen und Papyri sammelten sich in den Mauern der alexandrinischen Bibliothek an. Mehrmals musste sie darum vergrössert werden.
Leider ist die Bibliothek beim Angriff Caesars stark zerstört worden. 2004 stellte man mit Hilfe der UNESCO und verschiedensten Industrieländern aber ein neues Haus des Wissens auf. Ein absolut spektakulärer Bau. Ein wichtiges Projekt ist die Teilarchivierung des Internets. Gegen 20 Terabyte speichert man pro Monat ab. Doch wer zwischen den Bücherregalen schlendert, der ist wohl schnell etwas enttäuscht. Allzu viele Bücher findet man nicht. Auch der elektronische Bibliothekskatalog liefert nicht gerade viele Treffer pro Suchbegriff. Selbst bei berühmten Personen wie Nasser nicht. Aber ist auch verständlich, dass die neue Alexbib erst wieder zu Volumen kommen muss. Denn an einem fehlt es ganz bestimmt: Am Geld. www.bibalex.org
In Kairo steht auch noch die älteste Universität der Welt. Die Al-Azhar Uni. Sie ist benannt, nach einem berühmten Geistlichen. Heute ist sie vor allem Zentrum des sunnitischen Islams.
Doch Hochschulen in der heutigen Zeit haben ein gewisses Problem. Alle jungen Leute wollen nur Ingenieur oder Arzt studieren. Obwohl das Angebot an verschiedenen Fächern wohl ähnlich gross wie in der Schweiz ist. Grund dafür ist irgendein Knopf in den ägyptischen Köpfen. Sie halten nur diese beiden Berufe für ehrenhaft. So fordern alle Eltern von ihren Kindern eine solche Ausbildung, wenn sie denn die Hochschulreife erlangen. Alles andere ist wie nichts wert. Die Folge davon? Zu viele Ärzte und zu viele Ingenieure. Dafür mangelt es an guten Informatikern, Elektronikern, Automechanikern und Krankenschwestern.
Weiter meinen einige hier, dass den Ägyptern das kritische Denken nicht beigebracht wird. Ausgerechnet hier! Wenn bei einer Demo gegen die Regierung nur 2000 Leute protestieren und das Land 80 Millionen Einwohner und einen Präsident wie Mubarak hat, dann könnte die Aussage etwas Wahres haben.
Text & Fotos: Simon Banholzer


