Träume und Hoffnungen der Ägypter

Erstellt am Juli 23, 2010

Die dichtest gebaute Stadt Kairo beherbergt viele Träume

So viele Gebäude in Ägypten haben eine grässliche Fassade und scheinen dem Zerfall nahe. Von der Luft gesehen wirkt Kairo wie ein grosser grau-brauner Dreckhaufen, welcher durch den Nil in zwei Teile getrennt wird. Doch vieles in Ägypten zeigt sich erst von einer schmutzigen Seite. Denn im Innern ist alles komplett anders. Meist stehen wunderschöne Möbel, grosse Tische und gemütliche Sofas hinter den Dreckwänden. So findet man die allerschönsten Wohnungen in den unmöglichsten Häusern. Jede Einladung zum Abendessen wird so zu einer Überraschung. Und das nicht nur auf die Einrichtung bezogen. Denn auch die Ägypter besitzen eine Fassade, hinter welche man erst einmal blicken muss. Sie sind zwar normalerweise sehr offen. Doch was sie wirklich denken und fühlen ist versteckt.

Man fühlt, dass sie sehr viele Träume und Hoffnungen besitzen, aber nur wenige in Erfüllung gehen. Wie bei uns auch wünscht man sich einen guten und spannenden Job und damit genug Geld um vielleicht heiraten zu können oder ein eigenes Geschäft aufzubauen. Aber unglaublich viele junge und auch ältere Leute möchten einfach nur weg, nach Europa, Asien oder Amerika. Einfach weg aus dem alltäglichen Trott der grauen Grossstadt. Was für uns ein Kinderspiel ist, können nur wenige von ihnen. Der Student Omar(21) erzählte mir: Man braucht vor allem gute Beziehungen zum einem Ministerium und viel viel Geld, etwa 100’000 Pfund(20’000CHF). Denn Visa werden nur bei sehr guten Begründungen abgegeben. Natürlich lenkt man ein bei Wirtschaftsleuten und Bonzen, jedoch auch bei Studenten. So träumen viele Junge von einem Studium im Ausland.

Am Nil treffen sich die Jungen und läuten das Weekend ein.

Andere gehen noch weiter. Ihr einziger Wunsch: eine Europäerin oder Asiatin heiraten. Hört sich jetzt klischeehaft an, aber die hiesigen Traditionen belasten einige Ägypter so schwer, dass man keinen anderen Ausweg sieht. Die Jugend will sich nicht mehr früh verheiraten lassen, Kinder „produzieren“ und langsam, lustlos alt werden. Das Ausland scheint die einzige Rettung zu sein. Jungs halten darum Sharm El-Sheik für den spannendsten Ort im Land. Man spricht wenig Arabisch, isst fast nur Essen der internationalen Küche und kann Partys feiern bis tief in die Nacht. „So muss Europa sein“, meint Omar.

So langsam schreit die Jugend nach Veränderung. Demonstrationen gegen das schreckliche Polizeiwesen werden häufiger und sind Ausdruck der Wut. 30 Jahre Präsident Hosni Mubarak und steinreiche Minister sind genug. Leider ist die neue Generation keine Einheit. Ein Teil geht islamitischen Tendenzen nach, ein anderer träumt von einem europäisierten Ägypten und ein überwältigender Teil hat schlicht resigniert.

Text & Fotos: Simon Banholzer

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