30 Jahre Mubarak sind genug
Erstellt am Juli 29, 2010
Es wird langsam heiss in Ägypten, und das ist nicht auf das Wetter bezogen. Nächstes Jahr finden die Präsidentenwahlen statt. Die Situation sieht nämlich so aus:
Der amtierende Präsident Hosni Mubarak ist nun seit über 30 Jahren an der Macht und hat sein Land in eine gewisse Stagnation geführt. In der ganzen Welt hat er gute Kontakte geknüpft und Ägypten als ein modernes Land präsentiert. Eine bröckelnde Fassade könnte man das nennen. Denn im innern des arabischen Staates sieht es ganz anders aus. Seit Jahrzehnten gilt ein Notrecht, das vor allem dem Militär viele Rechte zuspricht und somit einer wahren Gerechtigkeit kein Platz lässt. Richter sind keine richtigen Rechtssprecher, sondern gehören einem Militärtribunal an. Auf der Strasse macht Witze, dass es in Ägypten mehr Polizisten gibt als Zivilisten. Es könnte sogar wahr sein! Mubarak krallt sich ununterbrochen an seinem Amt fest. Doch auch er altert und scheint sich nicht mehr sicher zu sein, ob er nochmals antreten möchte. Wandel in Sicht? Weit gefehlt. Er versucht seinen Sohn Gamal Mubarak als Nachfolger zu platzieren. Eine neue Dynastie von Herrschern des Geschlechts Mubarak einrichten. Seit diese Woche Plakate von Gamals Wahlkampagne aufgetaucht sind, vermutet man, dass er kandidieren wird und Hosni zurücktritt.
Die Ägypter haben besseres verdient als das. Doch eine Neuausrichtung scheint kaum möglich. Rund um die Widerstandsbewegung „Kifaya (genug)“ haben sich Leute aktivieren lassen um eine Reaktion auf Mubaraks Vorhaben zu zeigen. Erst recht seit Anfangs Juni, als ein junger Journalist von zwei Polizisten brutal zu Tode geprügelt wurde. Vor allem in Alexandria macht man mit vielen Protesten auf sich aufmerksam. All dies gibt dem designierten Herausforderer Mubaraks, Mohammad Al-Baradei die Chance sich in Szene zu setzen. Wenn er an einer Demo teilnimmt, dann ist kein Polizist zu sehen. Der frühere Chef der internationalen Atombehörde IAEA ist in der ganzen Welt bekannt und hat vor einiger Zeit angetönt, dass er sich der Herausforderung stellen würde. Eine reale Chance scheint er aber indes nicht zu haben. Viele denken: besser etwas, das ich kenne und sich nicht gross ändert, als etwas Neues und Unbekanntes. Von diesen Denkern gibt es kifaya! Die Ägypter bekommen 2011 die Möglichkeit Mut und Selbständigkeit zu zeigen. Wir würden es gerne sehen…
Text& Foto: Simon Banholzer
Kommentare (3)



ja,ja
was heisst Kuhstall auf Ägyptisch?
Mubarak
zuviele polizisten – zu wenig gerechtigkeit. ist das nich überall der fall? no justice – no peace! (fightthe police)
[...] Abdallah II., Marokko mit König Muhammad IV., Algerien mit Präsident Boutefilka, Jemen mit Saleh, Ägypten mit Mubarak und Tunesien bis vor ein paar Tagen mit Ben Ali. Tunesien hat mit spontanen Protestaktionen, die [...]