Die Guten und die Anderen

Erstellt am August 3, 2010

Nach bald zwei Monaten in Ägypten ist es an der Zeit über Gewalt zu sprechen. Ein ernstes Thema für uns, die Ägypter kümmern sich weniger darum. Manchmal sieht man einfach auf der Strasse zwei Männer kämpfen, als wäre es das Alltäglichste. Und ja, das ist es eben auch. Wenn einer den anderen beleidigt oder verarscht, dann soll dieser die gerechte Strafe bekommen. Soweit die Sicht der Ägypter. Ich erschrak nur schon, als ein Mitarbeiter einer Imbissbude einen Jungen schlug, weil dieser mit seinem Fahrrad mir (Ausländer) im Weg stand. Und als ich ihm sagte er soll das lassen, schlug er ihn nochmals. Verrückt so was!

Vom Jubel zum Schock - Fussballspiel in Kairo

Letzte Woche stieg ich mit meinen Freunden aus einem Taxi aus und bezahlte den Mann mit acht Pfund. Dieser akzeptierte das nicht, obwohl 8 der normale Preis ist. Er rief immer heftiger aus und begann zu fluchen. Mein ägyptischer Kollege provozierte ihn auch noch ein wenig und schon prügelten sich die beiden. Der Unterschied zur Schweiz: Alle Menschen in der Strasse, inklusive uns Schweizer, versuchten die Prügelknaben zu stoppen und beruhigen. Nach zehn Minuten Diskussion mit einigen der Polizei konnten wir schliesslich wieder gehen. Neue Erfahrung gemacht.

Das Heftigste zum Schluss: Wir besuchten letztes Wochenende ein Match des grössten Fussballclubs von Kairo: Al Ahly. Ein Spektakel für uns. Mitten in eingefleischten Fans jubelten wir über den Last-Minute-Sieg. Ein Traum für alle. Kairo flippte aus. Aber komischerweise muss man sehr schnell aus dem Stadion raus, was zu gefährlichen, unkontrollierbaren Menschenmengen führte. Wir versuchten beieinander zu bleiben und kämpften uns in die nächste Strasse. Plötzlich begannen die jungen Fans unsere Kolleginnen zu begrabschen. Wir versuchten mit aller Kraft aus dem Getümmel heraus zu kommen. Doch die „bösen Jungs“ wurden immer mehr. Zum Glück halfen uns einige Sitznachbarn aus dem Stadion nicht komplett unterzugehen. Wir waren schlicht machtlos. Es waren zu viele. Ein junger Mann erkannte unsere brenzlige Situation und rief uns in sein Auto. Zu sechst drückten wir uns in den Wagen. Dabei beklauten uns die dämlichen Fans auch noch. Schockiert und gleichzeitig glücklich weg zu sein, fuhren wir in die Innenstadt. Dem Fahrer waren wir so dankbar. Die Guten und die Anderen eben. Es gibt sie wie bei uns, nur viel extremer!

Text & Fotos: Simon Banholzer

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