Occupy the world – 2011 ist das Jahr des Protests

Erstellt am Oktober 13, 2011

Die Fesseln sind gesprengt, 2011 ist ein lautes Jahr. Seit im Januar in Tunesien die Menschen auf die Strassen gegangen sind, um ihr Recht auf ein anständiges Leben zu fordern, kommt die Welt nicht mehr zur Ruhe. Stéphane Hessel hat mit einem Büchlein zur Empörung aufgerufen! Die jungen Menschen der Welt haben ihn gehört. Aus verschiedensten Gründen, aber alle mit einem Ziel: Die Chance auf ein faires Leben zu erhalten und nicht länger den Reichen und Mächtigen Diener zu sein.

Das Ausmass der Empörung hat seit ein paar Wochen eine neue Dimension erreicht. Mit “Occupy Wall Street” haben sich die United States ebenfalls in das Protestjahr eingereiht. Die Weltmacht Nummer 1 kann seine Bürgern den American Dream nicht mehr träumen lassen. Die Amerikaner suchen den Feind nicht mehr im Ausland, Islam oder Terrorismus. Das System wurde als Gegner erkannt. Das System ist nicht Diener am Volk, sondern anders rum. Natürlich gab es schon früher solche Bewegungen. Die Arbeiterbewegung und die 68er Proteste stämmten sich ebenfalls gegen das System Kapitalismus. Beide fanden sich schliesslich in der Politik eingespannt wieder Sozialdemokratie/ Grüne usw.). Wenn die aktuelle Bewegungswelle erfolgreich sein will, dann darf sie sich nicht auf die Politik einlassen. Denn zum Schluss sitzen die grössten Kritiker von heute in Nationalratssesseln und verfechten all das, was sie versprachen zu bekämpfen.

Für den 15.Oktober sind auf der ganzen Welt Proteste angesagt. Mit “Occupy Paradeplatz” will man auch in der Schweiz ein Zeichen setzen. Laut einiger Gerüchte, soll Jean Ziegler ebenfalls nach Zürich kommen. Könnte dies der Anfang einer Schweizer Protestbewegung werden? Eine Woche vor den Nationalrats- und Ständeratswahlen könnte ein Zeitpunkt mit Symbolcharakter sein. Die Frage ist nur, ob die Empörung in der Schweiz auch wirklich gross genug ist. Geht es den Menschen in der Schweiz noch zu gut?

Wohin könnte eine solche Bewegung denn überhaupt führen? Kurzfristig gesehen muss die Bewegung aufklären und diskutieren. Die Aufklärung sollte aufzeigen, was unser kapitalistisches, demokratisches System aus uns macht, welche Rolle wir in unserer Gesellschaft spielen. Eine Diskussion muss darüber geführt werden, wie wir leben wollen und welches System eine vernünftige Alternative bietet. Viele Soziologen und Philosophen haben bereits enorme Vorarbeit geleistet auf diesem Terrain, man müsste sich nur damit befassen. Beispielsweise hat die Integrale Partei ein umfassendes Manifest veröffentlicht.  Weitere Vorschläge findet man beim Forum Politik und Kultur – ja gar ganze Übergangspläne in ein neues System.

Wenn wir die aktuelle Krise anschauen und erkennen, wer darunter leidet oder leiden wird, dann ist das Erwachen allerhöchste Zeit. Länger dürfen die Menschen sich der Illusion nicht hingeben. Die Einbindung in die Machtstrukturen, die Unterhaltung und der Massenkonsum konnte uns lange etwas vorgaukeln – das sollte sich nun ändern.

Text: sb

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