Eidgenössische Wahlen: BDP und Grünliberale als Sieger – Grüne, CVP, FDP und SVP geben Sitze ab
Erstellt am Oktober 24, 2011
Einige konnten die Plakate in den Strassen schon gar nicht mehr sehen. Nun sind die Wahlen endlich ausgestanden und einige Neuigkeiten sind zu betrachten.
Die Siegerin der letzten Wahlen 2007, die SVP, konnte sich nicht weiter steigern. Anstelle der angestrebten 30% Wähleranteil, bleibt ihr 26.6%(54, -8 Sitze); unter diesen sieben Sitzen ist auch jener von Ulrich Schlüer. Mit 18.7% steht die SP an zweiter Stelle. Sie verliert zwar an Prozenten, gewinnt aber durch zahlreiche Listenverbindungen drei Sitze dazu und steht bei 46 Mandaten. Von den etablierten grossen Parteien ist die SP somit die einzige mit Zuwachs.
Die FDP sah zwischenzeitlich wie die heftigste Abstiegskandidatin aus. Selbst Parteipräsident Fulvio Pelli musste lange um seinen Nationalratssitz bangen. Mit 15.1% liegt sie nochmals 3% unter dem Resultat von 2007 und verliert 5 Sitze. 30 Abgeordnete hat sie noch im Nationalrat. Drei Sitze verliert auch die andere Mittepartei CVP und hat mit 28 Sitzen (12.7%) nur knapp weniger als die FDP.
Die Wähler verpassen den Grünen den härtesten Schlag. Wegen der Katastrophe in Fukushima erhofften die Grünen sich Auftrieb – der blieb aber gänzlich aus. Sie haben nun Verluste von 1.2% und damit 5 Sitze zu verkraften. So verbleiben 8.4% Wähleranteil und 15 Sitze. Viel zu wenig für eine Partei, die vor einem Jahr noch einen Bundesrat stellen wollte! Die Kandidatin von damals, Birgit Wyss aus Solothurn, schaffte nichtmal die Wiederwahl fürs Parlament. Das Vertrauen in die Grünen ist weg. Die SP und die Grünliberalen scheinen ihren Job als Umwelt-Partei besser zu machen. Die Grünliberalen gehören nämlich zu den grossen Siegern der Wahlen. 5.4% (+4%) ist ein hervorragendes Resultat. Mit 12 (+9) Mandaten werden sie sich nicht mehr anderen Fraktionen anschliessen, sondern ihre eigene Linie sichern. Ebenfalls 9 Sitze gewann die BDP und steht bei 5.4%.
Aus diesen Ergebnissen zeigt sich eine stark aufgesplitterte Mitte. GLP und BDP haben eine Grösse erreicht, die nicht mehr zu ignorieren ist, aber auch nicht mehr. Die Parteipräsidenten Grunder(BDP) und Bäumle(GLP) nahmen in der Elefantenrunde des SF den Mund ganz schön voll. Grunder: “Wir wollen ein Gefäss in der Mitte. Da sind die Parteien GLP, CVP und FDP herzlich eingeladen mitzumachen.” Vermutlich wären die grossen Parteien der Mitte eher in der Position eine Mitte-Allianz vorzuschlagen. Bäumle übertrieb es komplett: “Das Beste: der SP einen Bundesratssitz, der SVP einen und der Rest auf die Mitte-Parteien verteilen. Damit wir endlich wieder vorwärts kommen in diesem Land. Die beiden blockieren sich gegenseitig.” Toni Brunner (Parteipräsident SVP) konterte gut und richtig: “Die Schweiz besteht nicht nur aus der Mitte. Auch wenn sie heute sagenhafte 5% gewonnen haben!”
Die Wahlbeteiligung liegt bei knapp 50%. Im Vergleich zu den Zürcher Kantonsratswahlen im Frühling, damals waren es 33%, gingen einige mehr an die Urne. Die nationalen Wahlen finden beim Volk also wesentlich mehr Interesse als die kantonalen. Dabei werden so viele wichtige Entscheide in den Kantons- und Gemeinderäten entschieden.
Text: sb
Tabelle: http://www.statistik.zh.ch/internet/justiz_inneres/statistik/de/wahlen_abstimmungen/wahlen_2011/nationalratswahlen2011/resultate.html#a-content
Kommentare (1)

Gut so Herr Brunner!
Ich weiss nicht ob sie die Statistik wirklich gut angesehen haben, denn neben ihren ,,sagenhaften” 5,4% sehe ich nämlich noch zwei riesige Säulen mit 26,6% und 18,7%