Sichere Verbindungen für ewige Liebe

Erstellt am November 9, 2011

Was haben Köln, Lübeck, Paris, Rom, Vrnjacka Banja (Serbien), Pécs (Ungarn) und Winterthur gemeinsam? Die Antwort dazu findet man auf der bahnhofsnahen Wylandbrücke, die über die Schienenstränge führt. Auf dieser unscheinbaren Brücke, höchstens 100 Meter lang, hängen einige wenige – um ganz genau zu sein 19 Stück – Vorhängeschlösser. Um diese überhaupt anzubringen zu können, dient eine Art festes Metallgewebe, welches die Brücke einzäunt.

Diese Schlösser – auch Liebesschlösser genannt – stehen als Zeichen der Liebe und Verbundenheit. Angebracht von liebestrunkenen Winterthurerinnen und Winterthurern (oder auch Auswärtigen). Ein romantischschöner Brauch, wobei die Ortsansässigen wohl eher weniger zu Liebesschwüren in Form dieser Symbole neigen. Nur so lässt sich wohl erklären, weshalb erst ein paar wenige Exemplare baumeln. Ganz im Gegenteil zu Köln und deren Hohenzollernbrücke. Dort riecht wohl die nähere Umgebung stark nach Metall und Liebe.

Die genaue Herkunft des Brauches indes ist unklar – Ausgangspunkt ist wahrscheinlich Italien. Es wird vermutet, dass die Absolventen der Sanitätsakademie San Giorgio in Florenz die Urheber dieses Brauches sind. Mit dem Ende ihrer Ausbildungszeit befestigten die Absolventen die Vorhängeschlösser ihrer Spinde an der Brückenlaterne auf der Milvischen Brücke, die in Rom über den Tiber führt. Dies wurde dann wohl auch von den Verliebten Roms als Brauch übernommen.

Erste Liebesschlösser an der Wylandbrücke

Erste Liebesschlösser an der Wylandbrücke

Angedacht wäre – und wie in anderen Städten auch üblich – dass man den Schlüssel nach Befestigung des Schlosses in das darunter fliessende Gewässer werfen würde. Mangels Gewässer im Sulzer-Areal ist wohl die Frage berechtigt, was mit dem Schlüssel passiert. Wird er achtlos auf die Gleisanlagen geschleudert, trägt ihn Frau oder gar Mann um den Hals oder wird er in einer “Schatzkiste” gehortet? Was natürlich auch die Frage nach sich zieht, ob sich die Liebe überhaupt erfüllt und glücklich wird, wenn der symbolische «Wasserwerf- und Wünscheakt» fehlt. Abgesehen davon sind diejenigen Liebespaare, die die Schlösser angebracht haben, äusserst dezent vorgegangen. Nur auf den wenigsten lassen sich Namen oder gar Daten ausmachen.

In vielen Städten gibt es Verbote. In Venedig und Berlin ist das Anbringen an Brücken strikt verboten und wird sogar mit Bussen geahndet. Köln und Lübeck hingegen begrüssen den fördernden Einfluss auf den Besucherstrom.

Winterthur wird wohl kaum so rasch ein Verbot erhalten – zumal die Brücke nicht so schnell unter einer «Vorhängeschloss-Last» zusammenbrechen wird. Um den 19 einsamen, verwaisten Liebesbekundungen (Stand 31.10.2011) ein paar Kameraden an die Seite zu hängen, sei hiermit empfohlen: Pilgert hin zur Liebesschlösser-Brücke und bringt einen Hauch Romantik nach Winterthur.

Text: ci
Bild: mh

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Kommentare (1)

 

  1. monoblog sagt:

    Also das waren schon viel mehr Schlösser, wurden vor einigen Monaten alle entfernt, ist also schon der zweite Anlauf… Drum sieht’s etwas mickrig aus.

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