Über die effiziente Produktion und den irrationalen Konsum
Erstellt am November 26, 2011
Die effiziente Produktion und der irrationale Konsum traffen sich irgendwann im 20. Jahrhundert zum ersten Mal. Es war Liebe auf den ersten Blick, sie konnten nicht mehr von einander lassen. Nun sind sie schon 70, 80 Jahre alt, wer weiss das schon so genau. Mit dem Alter sind die beiden immer radikaler geworden. Irgendwie wollten beide immer mehr. Doch diese Ehe besteht bis heute. Sie helfen sich gegenseitig und stützen sich wo sie nur können. Eine intensive Beziehung, doch wie lange geht es noch, bis sie vor Müdigkeit und Wut auseinander bricht?
Ich bin jedes Mal wieder erstaunt, was alles produziert wird und in unseren Geschäften landet. In der Migros bekommen wir eine Auswahl an Lebensmittel serviert, die jener eines internationalen Spezialitätenmarktes gleicht. Fisch aus der Nordsee, Bananen aus Brasilien, Käse und Fleisch aus der Schweiz, Erdbeeren aus irgendwo, Corned Beef aus Amerika. Und alles gibt es hier zu kaufen – brauchen wir es auch, nur weil es produziert wurde?
Beispiel Brot: Wir kaufen mehrmals pro Woche frisches Brot vom Bäcker oder im Supermarkt. Wieviel davon landet später im Müll, weil wir das Butterbrot nicht aufessen oder weil das Brot hart geworden ist? Einiges! Der Supermarkt hält uns auch bis Ladenschluss alle Brotsorten frisch bereit. Was passiert mit dem Rest? Eine Studie zeigte kürzlich, dass jährlich in Deutschland 500’000 Tonnen Brot im Abfall landen. Wieso? Weil wir irrational konsumieren und jeden Tag alles zur Verfügung steht. Beim Brot ist es noch fast am wenigsten zu verstehen. Brot kann man leicht wieder etwas aufbacken, zu Knödel verarbeiten oder als Croutons zur Suppe essen.
Bei der Kleidung handeln wir (ich zähl mich auch dazu) genauso irrational. In unseren Schränken liegen Unmengen an Shirts, Hosen, Unterwäsche, Anzüge und Schuhe. Und doch kaufen wir jeden Monat neue Stücke dazu. Wieso? Nicht etwa weil uns ständig Pullover kaputt gehen oder die Schuhe ein Loch haben – nein. Wir kaufen es, weil viermal pro Jahr die Städte voll sind mit neuer Mode, und wir glauben sie besitzen zu müssen. Alte, nie wieder getragene Hosen verkaufen wir schliesslich auf dem Flohmarkt oder werfen sie in die Altkleidersammlung. Ganz viel davon hätten wir nie gebraucht. Zwei Stichwörter: Werbung, Medien.
Besonders die “Mode” hat es uns angetan. Wieso sonst bringt Apple jedes Jahr ein neues Iphone raus? Barney von “How i met your mother” bringt unsere Denkweise auf den Punkt: “Neu ist immer besser”. Neues Auto, neue Kamera, neuer PC, NEUES SPIELZEUG. Am meisten Freude machen wir dabei der effizienten Produktion. Sie kann immer mehr herstellen, ohne eine Notwendigkeit dafür zu haben.
Wir sollten uns bewusster machen, wie wir unser Geld ausgeben. Was kaufen wir wo und wie? Gehen wir einfach einmal in die Stadt um zu gucken, was es da so alles gibt, oder gehen wir dahin um etwas ganz Bestimmtes zu kaufen? Die globale Wirtschaft hängt von unserer Konsumfreude ab. Und gerade die globale Wirtschaft wird sich fundamental ändern müssen, das zeigt die Schuldenkrise. Wir leben auf Pump und müssen lernen mit weniger auszukommen. Wie lange lassen wir noch die effiziente Produktion und den irrationalen Konsum ein Paar sein?
Text & Foto: sb
P.S.: Besonders das Weihnachtsgeschäft scheint mir den irrationalen Konsum auf die Spitze zu treiben. Fröhlichen 1.Advent!
