Besinnlichkeit der Fussballer

Erstellt am Dezember 25, 2011

Den Weg von meinem Zuhause in Hegi bis in die Stadt und zurück bin ich schon unzählige Male mit dem Bike gefahren. Bei sommerlicher Hitze und durch winterliche Schneestürme, ab und zu auch in der Morgendämmerung, häufiger Nachts unterm Sternenhimmel. Entsprechend kenne ich jede Kurve, jeden Randstein und die Schaltzyklen der Lichtsignale unterwegs. So schweifen meine Gedanken beim Fahren oft ab und führen mich manchmal auf verschlungene Pfade. Dabei entstand vor Kurzem eine Verbindung von Weihnachten und Fussball.

Ein Jahr, wurde mir bewusst, zeigt viele Ähnlichkeitem mit einem Fussballspiel. Am Anfang verläufts oft vorsichtig, als gegenseitiges Abtasten wird das im Jargon jeweils bezeichnet, und manchmal ist die erste Viertelstunde auch ein veritables Januarloch. In der Mitte können wir uns üblicherweise kurz erholen, Kraft tanken und uns für die zweit Hälfte vorbereiten. Gegen Ende steigt oft die Spannung, weil die Mannschaft, die im Rückstand liegt, nochmal alles nach vorne wirft, in der Hoffnung, doch noch einen Treffer erzielen zu können. Das führende Team hingegen tut alles nur Erdenkliche, um den Erfolg über die Runden zu bringen.

Ein probates und häufig eingesetztes Mittel sind Auswechslungen kurz vor Ende des Spiels. Und nie sieht man Sportler genussvoller und theatralischer über das grosse Grün joggen – und vor allem: nie langsamer. Die Grazie und Dynamik, mit welcher die Füsse in Zeitlupe über den Rasen wirbeln, Schultern sich kraftvoll drehen und die Arme einer Dampflokomotive gleich unaufhörlich in Bewegung hält, bringt um ein Haar die Zeit zum Stillstehen. Möglichst viele Kollegen sollen abgeklatscht und möglichst vielen Zuschauern durch Applaudieren und erhobenem Daumen für die Unterstützung gedankt werden.

Und in den letzten Tagen des Jahres? Wir kosten jeden besinnlichen Moment aus, umarmen unsere Lieben lächelnd und grüssen unsere Freunde. Geniessen wir die letzten Minuten dieses Spiels und freuen uns auf den Schlusspfiff.

Text und Bild: mh

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