Philipe Burrell mit technischem Schnickschnack im Portier
Erstellt am Januar 10, 2012
Die Stimmung in einem der kleinsten Konzertlokale der Stadt ist an sich schon etwas Besonderes. Zum einen durch die sehr liebevoll und kreativ gestaltete Einrichtung und die Platzverhältnisse, welche ab zwei Dutzend Gästen unweigerlich Körperkontakt mit sich bringen. Zum andern aber auch wegen dem Drumherum. Die Gäste im Portier auf dem Lagerplatz kommen jeweils montags im Rahmen der monomontag-Reihe quasi in den Genuss eines Konzertes mit kinoartigem Livestream im Rahmen der halbrunden Fensterfront im Rücken der Musiker.
Gestern Abend war Philipe Burrell als Alleinunterhalter zu Gast, zusammen mit unzähligen Pedalen, Knöpfen, Effekten und was da sonst noch an technischem Schnickschnack um ihn herum aufgebaut war. Und während der Luzerner den Kampf mit den diversen Geräten aufnahm (meistens ging er als Sieger daraus hervor, wenn auch manchmal nur knapp nach Punkten), bekamen die Zuhörer durch die Fenster im Hintergrund ein ganzes Panoptikum an nächtlichen Szenen zu sehen.
Vom Nachtwächter, welcher mit seiner Taschenlampe alle dunklen Ecken kontrollierte bis zur Gruppe Teenager, welche mit einer Mischung aus Unsicherheit und Belustigung in das kleine Häuschen voller Leute staunte. Von suchenden Autofahrern bis zu einsamen Nachtschwärmern, welche von der Musik angelockt auch kurz vor Schluss noch Einlass begehrten.
Doch dies passierte alles nebenher und von vielen unbeachtet, denn der mittlere der drei musikalischen Burrell-Brüder überzeugte trotz dem sehr improvisiert wirkenden Auftritt. Er trat zum Beispiel vorsätzlich ohne Setliste auf und schien sich nach jedem Song zu überlegen, was als nächstes passen könnte. Vor der Pause dominierten oft Loop- und andere Effekte, sowohl bei Coverversionen als auch bei eigenen Stücken. Nach der Pause hatte er plötzlich keine Lust mehr auf all die Knöpfe, schnappte sich Stuhl und Gitarre und setzte sich direkt vor die immer zahlreicher gewordenen Gäste. Die darauf folgenden Songs, rein akustisch gespielt, waren dann auch der stimmungsmässige Höhepunkt – bevor er für die Zugabe wieder auf ein Cover mit Effekten zurückkehrte.
Weitere Infos: monomontag im Portier
Text und Bild: mh

