Die Befreiung der Frau ist der Schlüssel zur wahrer Demokratie
Erstellt am Februar 5, 2012
Die Zukunft ist spannend. Jeder beschäftigt sich mit ihr. Wo gehen wir hin, was werden wir tun? Dieses Wochenende stellt man sich diese Fragen an der Konferenz “Die kapitalistische Moderne herausfordern – alternative Konzepte und der kurdische Aufbruch” in Hamburg. Organisiert wurde dieses internationale Treffen von verschiedenen kurdischen Organisationen, die sich zum “Network for an alternative quest” zusammengeschlossen haben. Fragen um Demokratie, Alternativen zum Kapitalismus und zur Freiheit des kurdischen Volkes stehen im Zentrum dieser drei Tage. Ein Thema befanden die Teilnehmer am zweiten Konferenztag für besonders bedeutsam: Der Sexismus als Konstante der staatlichen Zivilisation – die Unterdrückung der Frau.
Die Referentin Fadile Yildirim fragte: “Wer schrieb die Geschichte?” Es waren immer die Männer. Seit 5000 Jahren, also seitdem es staatlich organisierte Zivilisationen gibt, wird die Frau unterdrückt. Die Rolle der Frau basierte immer auf Unterordnung. Die Religionen Christentum, Islam und Judentum haben ebenfalls ihren Anteil am ständigen Patriarchat – bis heute. Die Unterdrückung der Frau ist die älteste Klassentrennung die wir kennen.
Der moderne demokratisch-kapitalistische Staat hat dies keineswegs geändert. “Der Kapitalismus gibt der Frau die Freiheit die Ausgebeutete zu sein”, erklärte Yildirim. Jeder Teil der Frau wird im Markt präsentiert. Die Medien und Werbung bestimmen die Ideale einer Frau. Jedes Produkt wird mit künstlichen Frauen beworben. Die Frau steht komplett in der Öffentlichkeit. Der Konsum wurde durch sexistische Darstellung der Frau stark erweitert. Die Frau kauft sich in einen Rausch, um den Idealen zu entsprechen. Dadurch kann der Mann seine Machtposition noch viel einfacher halten. Anerkennung für Frauen in technischen Berufen? Beachtung für Frauenfussball? Politikerinnen mir Ambitionen? Das sind nur einige Beispiele für harte Gebiete für Frauen.
Der Kapitalismus zerstört damit die Identität der Frau. In unserer Gesellschaft weiss keine(r) mehr, wer sie/er wirklich ist. Man weiss nur noch, was man sein sollte. Wir Menschen dieser Gesellschaft sind durch Konsum, Wettbewerb, Profitgier und Konkurrenz soweit individualisiert, dass unser Sinn für Gemeinschaft und für Freiheit fast verschwunden ist.
Sehr naturverbundene Gesellschaften, wie manche Indianerstämme, Aborigines, Bergvölker usw. haben das natürliche Leben noch nicht aufgegeben. In vielen von ihnen hat die Frau eine klar bessere Stellung. Der Staat hat diese Gesellschaftsform nicht verdrängt. Das heisst nicht, dass bei diesen Gruppen alles perfekt ist. Aber man könnte von diesen Menschen manches wieder erlernen. Auch in den Köpfen vieler Menschen ist das Streben nach Freiheit und der Sinn für das Gemeinsame noch vorhanden, wenn auch nur als Idee. Freiheit für die Menschen zu erlangen wird nur durch die Befreiung der Frau möglich werden. Die ist wohl der Schlüssel zur Denkfreiheit.
Früher wurde die Frau als Gottheit verehrt. Sie stand für die Kraft des Lebens und die Erneuerung. Die heutige Stellung der Frau ist eine ganz andere. Es wird ziemlich genau vorgeschrieben, wie eine Frau ihr Leben zu führen hat. Und dieses Leben ist dem Mann untergeordnet. Fadile Yildirim schloss ihr Referat mit den Worten: “Ohne Freiheit für die Frau, keine echte Demokratie!”
Text&Bild: sb
